Der Herr Karl – ist überall
Der Herr Karl ist überall - Übersetzungs- und Theaterprojekt
Wir in Österreich verpflichten die nach Österreich geflüchteten Menschen gerne zu Sprachkursen (die auch gleich eine Einführung ins österreischische Wertesystem beinhalten). Unser Projekt ist als Reaktion auf die populistische Forderung nach Zwangsvermittlung von Sprache und Kultur entstanden, bei der notgedrungen sowohl Sprache als auch Kultur zu kurz kommen. „Der Herr Karl ist überall“ ist eine empathische Vermittlung von Sprache und Kultur auf Augenhöhe.
https://www.dorftv.at/video/45747
Seit 2016 formt und organsiert das DH5 Sprachgruppen, wo es um die Übersetzung literarischer Texte geht. Dabei werden mögliche Bedeutungen und Entsprechungen in der jeweils anderen Kultur und Sprache ausgelotet.
Seit 2020 arbeitet das DH5 in mehreren Kleingruppen an einer Übersetzung des Stücks "Der Herr Karl" von Helmut Qualtinger und Carl Merz aus dem Jahr 1961.
Warum der Herr Karl?
Ein gemeinsamer Blick in den Abgrund
Qualtinger und Merz demaskieren den Homo Austriacus, sie kratzen an der süßelnden Oberfläche der österreichischen Identität und die gemütlich-melancholische österreichische Seele entpuppt sich als opportunistisch und charakterlos. Aus gemütlich wird faul, aus gastfreundlich berechnend, und musisch? Am liebsten würde der Herr Karl „all die Kinos und Theater anzünden“.
Der Herr Karl ist kein schillernder Bösewicht im Format von Vito Corleone, er ist vielmehr ein richtiges Würschtl, aber ein böses. Die Annahme, dass das „böse Würschtl“ eine Universalie in hierarchischen Gesellschaften ist, hat den Herrn Karl für dieses interkulturelle Sprach- und Theaterexperiment empfohlen. In den Sprachcafés, beim Übersetzen, kam viel Erlebtes an die Oberfläche. Genug, um daraus einen eigenen „Herr Karl“ zu machen. Der Herr Karl ist tatsächlich überall. Es ist diese banale Bosheit, die aus einer vermeintlichen Existenzangst heraus die Arbeit von Regimes erledigt.
Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee und Marine (ein vom Jiddisten Max Weinreich verbreitetes Bonmot)
Maturasprache zu sein ist eine Statusfrage, wer da dabei sein darf, ist immer wieder Teil in einer populistisch aufgeheitzten Diskussion . Die unzähligen Sprachen, die Menschen nach Österreich gebracht haben, sind ein Schatz, dessen Umfang und Bedeutung aber weit über diese Maturafrage hinausgeht, und der für das Schulsystem unsichtbar ist. Dem Umstand, dass manche der hier ankommenden Menschen nie Deutsch auf gutem Niveau lernen, wird seit 2017 mit verpflichtenden Deutsch- und Wertekursen begegnet – hier ist wiederum die Art des auferlegten Spracherwerbs aus der Schule die Vorlage - nur dass schlechte Leistung nicht mit einem Fünfer, sondern mit der Streichung von finanziellen Leistungen bis zum Entzug des Aufenthaltsstatus geahndet wird. Der öffentliche Diskurs konzentriert sich auf das verpflichtende Element und meint dabei stets ein Sprachniveau, das kaum jemandem wirklich hilft, an einer Gesellschaft teilzunehmen.
Premiere "Der Herr Karl" am 22. Juni 2024 im Rahmen der langen Nacht der Bühnen
Das Stück gezeigt von 12 Darstellerinnen in 11 Sprachen
Fotos Jona Herber
- Zahra Heidari
- Tracee Rammerstorfer
- Naïm und Ariel Aistleitner
- Kristin Henkel
- Gemma Pamies
- Leticia Carneiro
- Margo und Anastasya
- Carolina Ropero
- Florina Platzer
- Jeanette Loots
- Margo Varabel
- Nastya Saparava
Übersetzung: Die Darsteller*innen, Marixeli Barea García und Susanna Aistleitner
Sprachen: Russisch, Belarussisch, Französisch, Englisch (amerikan.), Afrikaans, Deutsch, Katalanisch, Spanisch (andalusisch), Dari (afghan.), Rumänisch und Portugiesisch (brasil.)
Produktion: Petra Kettl, Remo Rauscher, Moritz Danner, Walter Stadler, Kristin Henkel
Grafik: Marixeli Barea García
Musik: Karl Gstöttenmayr


















