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Samstag 22.06.

Der Herr Karl

Der Klassiker von Helmut Qualtinger und Carl Merz in mehreren Sprachen mit deutschen Untertiteln. Musikalische Begleitung Karl Gstöttenmayer. Dauer 60min.

Wenn wir in Österreich in Wertekursen den „Fremden“ unsere Kultur vermitteln, dann ist die Gefahr von Kopfschmerz und einer Bindehautentzündung beim Anbetracht von so viel Reinheit und Weisheit nicht unerheblich. Die schiefe Ebene, egal ob unten oder oben stehend, behindert die Kommunikation aber merklich. Da macht es schon viel mehr Spaß und man lernt auch viel mehr voneinander, wenn man das Gefälle senkt und gemeinsam ein Stück übersetzt, das eine nicht so strahlende österreichische Identität vorstellt.

„Der Herr Karl“, die von Helmut Qualtinger geschaffene Figur, ist ein österreichischer Prototyp. Aber ähnlich wie bei „Horvarth’s „Geschichten aus dem Wienerwald“ wird das Publikum mit seinen Erwartungen an das Selbstbild ordentlich hineingelegt. „Der Herr Karl“ war ein riesen Skandal, denn er hat die Erwartungen an das Selbstbild geschickt gebrochen und das hat weh getan. Aus gemütlich wird faul, aus gastfreundlich berechnend, aus phlegmatisch ein Mitläufer und unmusisch ist er auch, am liebsten würde er „all die Kinos und Theater anzünden“. Bei Qualtingers Text „bickt“ jeder Satz. Mit jedem Wort geht er den Östereicher*innen an die Identitäts-Seele. Wenn auch die jungen diesen Dialekt teils nur noch von ihren Großeltern kennen, man glaubt jeden Satz schon tausend mal gehört zu haben. Genau diesen Text haben wir im DH5 mit Menschen, deren erste Sprache Spanisch, Katalan, Dari, Arabisch, Portugiesisch, Französisch, Englisch, u. a. ist, in vielen unterhaltsamen und lehrreichen Stunden in die andere Sprache übersetzt und wir können berichten: der Herr Karl dürfte so etwas wie eine universelle Erscheinung sein, die alle hierarchischen Gesellschaften kennen. Im DH5 könnt ihr den Herrn Karl in mehreren Sprachen mit Untertitel erleben. Es ist eine Freude, sich auf diese Art in den Spiegel zu sehen!

Das Stück feiert seine Premiere im Rahmen der Langen Nacht der Bühnen (LNdB). Die Eintrittsbänder der LNdB sind vor Ort und an allen anderen Verkaufsstellen der LNdB erhältlich und kosten 12€.