Donnerstag 23.04.
WUT ALS MATERIAL
Wut als Material Brutal. Harsch. Roh.
Wut ist ein Zustand, der oft verdrängt, relativiert oder individualisiert wird. Doch angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen wie zunehmender Gewalt, erstarkendem Faschismus, fortschreitender Umweltzerstörung und steigenden, unleistbaren Mieten stellt sich die Frage: Ist Wut nicht eine angemessene Reaktion? „Wut als Material“ begreift dieses Gefühl nicht als Problem, sondern als produktiven Ausgangspunkt für gestalterische Praxis.
Das Projekt der Meister:innenschule für Kommunikationsdesign setzt genau hier an. Es versteht Wut als Energie, als Rohstoff, als Impuls, der Gestaltung antreibt und formt. Dabei geht es nicht um Distanz oder Neutralität, sondern um unmittelbare Auseinandersetzung. Gestaltung wird zum Medium, um Haltung sichtbar zu machen, Spannungen auszuhalten und Position zu beziehen.
Ausgangspunkt sind Plakate. In einem offenen Prozess entstehen erste Entwürfe, die sich zu Serien verdichten. Grafische Arbeiten entwickeln sich weiter zu Animationen und schließlich zu raumgreifenden Installationen. Der Entstehungsprozess bleibt bewusst sichtbar: Brüche, Überlagerungen und Veränderungen sind nicht nur Mittel, sondern Teil der Aussage.
„Wut als Material“ ist damit nicht nur ein gestalterisches Projekt, sondern auch eine Einladung: zur Auseinandersetzung, zum Widerspruch, zum Mitdenken. Es geht darum, Emotionen ernst zu nehmen und ihnen Raum zu geben – nicht als Selbstzweck, sondern als Ausgangspunkt für Diskurs und Veränderung.
Am 23. April 2026 werden die Arbeiten im DH5 präsentiert. Drucke und Animationen greifen ineinander und ergeben eine gemeinsame Inszenierung. Der Raum macht sichtbar, was uns beschäftigt.
Wir sind wütend. Und wir sagen etwas.